Tafel 7
Tafel vorlesen lassenAntisemitismus – die Kirche schließt sich an. (Katalog 11)

In der evangelischen Kirche stießen die judenfeindlichen Maßnahmen des NS-Staates nicht auf Widerspruch, sondern zunächst auf Zustimmung und Unterstützung.
Wir zeigen das an drei entscheidenden Stellen auf:

  1. Auch in der Kirche wurde der Arierparagraf eingeführt;
  2. die Kirchenbehörden und die Pfarrämter halfen mit bei der Identifizierung der Juden;
  3. in der Kirche griff eine starke Aversion und Hetze gegen alles Jüdische und gegen das Alte Testament um sich.

Als nach dem 7. April 1933 der Staatsdienst von "jüdischen Elementen" gesäubert wurde, beeilten sich die Deutschen Christen, dies auch in der Kirche zu tun. In der preußischen Kirche waren vom kirchlichen Arierparagrafen zunächst "nur" sechs Pfarrer betroffen. Dies macht deutlich, dass es den Deutschen Christen in erster Linie um die Demonstration ihrer ideologischen Übereinstimmung mit dem NS-Staat ging.
Der Arierparagraf als Gesetz stand aber in eklatantem Widerspruch zur Lehre der christlichen Kirche, die keinen Unterschied zwischen ihren getauften Gliedern machen kann: "Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus" (Galater 3,28).

Aus dem Kirchengesetz betreffend die Rechtsverhältnisse der Geistlichen und Kirchenbeamten vom 6. September 1933 (1) Aus dem Kirchengesetz betreffend die Rechtsverhältnisse der Geistlichen und Kirchenbeamten vom 6. September 1933 (2)

Aus dem Kirchengesetz betreffend die Rechtsverhältnisse der Geistlichen und Kirchenbeamten vom 6. September 1933 - "Arierparagraf"

Trotzdem kam von den Theologen zu diesem Gesetz kaum Widerspruch. Vielmehr wurde in Gutachten, die von theologischen Fakultäten erstellt wurden, dies Gesetz zumeist auch noch wissenschaftlich-theologisch untermauert. Entscheidendes Kriterium für die rassische Einordnung war seine Religionszugehörigkeit, die seiner Eltern und Großeltern (vergleiche die "Nürnberger Gesetze"), eine Bestimmung nach "biologischen Merkmalen" gab es nicht. Die Juden, die nicht jüdischen Bekenntnisses waren, konnten also nur mit Hilfe kirchlicher Dokumente wie Tauf- oder Trauschein identifiziert werden oder durch Auszüge aus Kirchenbüchern.

Hier ist ein Brief des "Sachverständigen für Rasseforschung" abgebildet, der vom Dahlemer Pfarramt Auskunft haben will, ob ein gewisser Richard Engelmann vom jüdischen zum evangelischen Glauben übergetreten sei. Einen solchen Nachweis konnten nur die Pfarrämter liefern. Sie haben diese Nachweise ohne Bedenken ausgestellt und dadurch mitgeholfen, die Juden als solche zu identifizieren. Später wurden die Kirchenbücher dem Staat zur Auswertung zur Verfügung gestellt, sodass solche Einzelanfragen überflüssig wurden.

Brief des Sachverständigen für Rasseforschung

Brief des Sachverständigen für Rasseforschung beim Reichsministerium des Inneren

Die Sportpalastkundgebung vom 13. November 1933, die mit 20 000 Teilnehmern die Stärke der Deutschen Christen-Bewegung dokumentieren sollte, wurde der Beginn ihres Zerfalls. Sie zeigte, dass es den Deutschen Christen mehr um ihren nationalsozialistischen Glauben ging als um das christliche Erbe. Der Hauptredner, Gauobmann Reinhold Krause, forderte in einer Rede "die Befreiung von allem Undeutschen im Gottesdienst … und die Befreiung vom Alten Testament mit seiner jüdischen Lohnmoral, von diesen Viehhändler- und Zuhältergeschichten ...". Das war selbst einem Großteil der Deutschen Christen zu viel. Viele von ihnen traten nach der Kundgebung aus der Bewegung aus, unzählige Protesttelegramme forderten vom Reichsbischof Müller die Entlassung der prominenten Deutschen Christen aus ihren Ämtern in der Kirchenleitung. Der bisherige brandenburgische Bischof Hossenfelder, Reichsleiter der Deutschen Christen, musste sein gerade wieder errungenes Amt niederlegen.

Theologische Gutachten Die Kundgebung der Deutschen Christen am 13. November 1933 im Berliner Sportpalast.

Theologisches Gutachten über die Zulassung von Christen jüdischer Herkunft zu den Ämtern der deutschen evangelischen Kirche.

Die Kundgebung der Deutschen Christen am 13. November 1933 im Berliner Sportpalast.

Aus der Entschließung der Sportpalast-Kundgebung am 13.11.1933

  • Wir erwarten, dass unsere Landeskirche als eine deutsche Volkskirche sich freimacht von allem Undeutschen in Gottesdienst und Bekenntnis, insbesondere vom Alten Testament und seiner jüdischen Lohnmoral.
  • Wir fordern, daß eine deutsche Volkskirche Ernst macht mit der Verkündigung der von aller orientalischen Entstellung gereinigten schlichten Frohbotschaft und einer heldischen Jesusgestalt als Grundlage eines artgemäßen Christentums, in dem an die Stelle der zerbrochenen Knechtsseele der stolze Mensch tritt, der sich als Gotteskind dem Göttlichen in sich und seinem Volke verpflichtet fühlt.
  • Wir bekennen, daß der einzige wirkliche Gottesdienst für uns der Dienst an unseren Volksgenossen ist, und fühlen uns als Kampfgemeinschaft von unserem Gott verpflichtet, mitzubauen an einer wehrhaften völkischen Kirche, in der wir die Vollendung der deutschen Reformation Martin Luthers erblicken und die allein dem Totalitätsanspruch des nationalsozialistischen Staates gerecht wird.

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