Tafel 5
Tafel vorlesen lassenNach dem Triumph (Katalog 9)

Völkischer Beobachter vom 24.7.1933 (rechts) und vom 25.7.1933 (links)

Völkischer Beobachter vom 24.7.1933 (rechts) und vom 25.7.1933 (links)

Der Wahlsieg der Deutschen Christen war dank der massiven Propaganda der Partei vorprogrammiert. Selbst Hitler hatte am Vorabend der Wahl noch in einer Rundfunkrede zur Wahl der Deutschen Christen aufgerufen:

  • Die SA hatte an vielen Orten ihre Mitglieder zur Beteiligung an der Wahl abkommandiert.
  • Oft wurden unter dem Druck der Deutschen Christen Einheitslisten aufgestellt, die ihnen bis zu drei Vierteln der Sitze in den Gemeindekirchenräten garantierten. So fiel die Wahl für die Liste "Evangelium und Kirche" nur in den Gemeinden günstiger aus, wo eine stärker ans Evangelium gebundene Tradition herrschte. Das triumphale Wahlergebnis bescherte den Deutschen Christen in den meisten Synoden absolute Mehrheiten.

Auf der Basis dieser "legalen Machtergreifung" konnten die Deutschen Christen ihre kirchenpolitischen Pläne ungehindert durchsetzen.

1933

Die Preußische Generalsynode vom 4./5. September 1933, die so genannte Braune Synode, beschloss zwei einschneidende Gesetze:

  1. Das "Bischofsgesetz führte das Amt des Landesbischofs in der preußischen Landeskirche ein und gliederte diese in zehn Bistümer. Die neuen Ämter wurden sämtlich mit Deutschen Christen besetzt, Landesbischof wurde Ludwig Müller, der keinem demokratisch gewählten Gremium Verantwortung schuldete. Durch die Änderung der Kirchenverfassung war in der preußischen Kirche das Führerprinzip eingeführt. Vorher hatten die Verwaltung, die Gesetzgebung und die geistliche Leitung der preußischen Kirche in verschiedenen Händen gelegen.
  2. Das "Kirchengesetz betr. die Rechtsverhältnisse der Geistlichen und Kirchenbeamten" – der so genannte kirchliche Arierparagraph - ermöglichte es den neuen Machthabern in der Kirche, sowohl die nichtarischen als auch alle sonstigen missliebigen Pfarrer zu entlassen.

Die Einwände der nicht zu den Deutschen Christen gehörenden Synodalen wurden in SA-Manier mit Pfui-Rufen niedergeschrien. So zogen sie aus der Synode aus, ein Ausdruck ihres ohnmächtigen Protestes.

Die am 27.9.1933 in Wittenberg zusammengetretene Nationalsynode wählte Ludwig Müller zum neuen Reichsbischof.

Reichsbischof Müller lässt sich von SA-Männern zur Wahl gratulieren. Der Präses grüßt die preußische Generalsynode am 4./5. September 1933 mit dem Hitlergruß.

Reichsbischof Müller lässt sich von SA-Männern zur Wahl gratulieren. Ludwig Müller wurde am 23.6.1883 in Gütersloh geboren, war seit 1914 Militärpfarrer bei der Marine gewesen, seit April 1933 Bevollmächtigter des "Führers" für die Angelegenheiten der evangelischen Kirche und Schirmherr der "Deutschen Christen". Den Titel "Reichsbischof" durfte er bis 1945 beibehalten. Allerdings hatte er ab 1935 keinerlei Befugnisse mehr, da der NS-Staat inzwischen seine kirchenpolitischen Ziele mit anderen Mitteln durchzusetzen versuchte. Im Juli 1945 beging Ludwig Müller Selbstmord.

Der Präses grüßt die preußische Generalsynode am 4./5. September 1933 mit dem Hitlergruß.
Friedrich Werner (1897–1955), Jurist, wurde nach den Kirchenwahlen 1933 von der deutsch-christlichen Mehrheit zum Präses der preußischen Generalsynode bestimmt. Während der ganzen Zeit des Kirchenkampfes stand er an der Spitze der vom Staat abhängigen Kirchenbehörde als Präsident des EOK in Berlin und Leiter der Kirchenkanzlei der DEK.

Die Kirchenwahlen in Dahlem 1933

Während die Deutschen Christen in der gesamten Kirche die Synoden beherrschten, gab es einige wenige Gemeinden, in denen sie keine Mehrheit erringen konnten.

In Dahlem war die Liste "Evangelium und Kirche" von den drei Pfarrern aktiv unterstützt worden. Die Liste "Deutsche Christen" erhielt 1046 Stimmen, die Liste "Evangelium und Kirche" 1447 Stimmen. Damit waren in den neuen Gemeindekirchenrat gewählt die Herren Evler, Bartning und Krenzlin, von den "Deutschen Christen" Berger und Krahl. Zusammen mit den drei Pfarrern ergab dies ein Stimmenverhältnis von 6:2. Neben dem Gemeindekirchenrat gab es damals noch eine Gemeindeverordnetenversammlung, in der "Evangelium und Kirche" 23, die "Deutschen Christen" 17 Sitze bekamen.

Angesichts der in Dahlem missglückten Machtergreifung verloren viele der DC–Gemeindeverordneten ihr Interesse an einer konstruktiven Mitarbeit. Der zur Einführung der neugewählten Gemeindevertreter anberaumte Gottesdienst musste mehrfach verschoben werden, da die DC-Mitglieder durch ihre vielfältigen Parteiverpflichtungen am Sonntagmorgen meist verhindert waren. So zogen es zum Beispiel viele vor, zu ihrer Vereidigung als neue SA-Mitglieder am 6. August 1933 auf das Tempelhofer Feld zu gehen, anstatt zu dem Verpflichtungsgottesdienst für neue Gemeindevertreter. Dem Dahlemer Ortsgruppenleiter der NSDAP wuchsen seine Parteiaufgaben so über den Kopf, dass er im November 1933 ganz von seinem Amt als Gemeindeverordneter zurücktrat.

Brief an den Gemeindekirchenrat Brief an den Herrn Pfarrer

Brief an den Gemeindekirchenrat

Brief an den Herrn Pfarrer

Zur Tafel 4

Zur Startseite | Impressum | Sitemap

Zur Tafel 6