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Tafel vorlesen lassenEine Lehre der Bekennenden Kirche: Aktion Sühnezeichen – Frieden durch Versöhnung (Katalog 40)

Versöhnungszeichen – Sühnezeichen:

Bald nach dem ersten Aufruf wird aus "Versöhnungszeichen" der Begriff "Sühnezeichen", weil die Versöhnung eine Zustimmung des verletzten Partners voraussetzt, die doch erst durch ein Zeichen des eigenen guten Willens gewonnen werden soll. Die Aktion Sühnezeichen kann aber nur als ausgestreckte Hand, als eine Frage an die Nachbarn verstanden werden …

(Ansgar Skriver)

Aktion Sühnezeichen ist dem Auftrag des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus verbunden. Helmuth James Graf Moltke, 1944 als Angeklagter vor Freislers berüchtigtem Volksgerichtshof, sagte: "Für uns ist Europa nach dem Kriege weniger ein Problem von Grenzen, Riesenorganisationen oder Plänen, sondern eine Frage, wie das Bild des Menschen in den Herzen unserer Bürger wieder aufgerichtet werden kann."

Eine Gruppe der Aktion Sühnezeichen in Coventry/Großbritannien, 1962: Das schmiedeeiserne Wandbild des Künstlers Fritz Kühn ziert eine Wand des Internationalen Begegnungszentrums

Eine Gruppe der Aktion Sühnezeichen in Coventry/Großbritannien, 1962: Das schmiedeeiserne Wandbild des Künstlers Fritz Kühn ziert eine Wand des Internationalen Begegnungszentrums, welches die Aktion Sühnezeichen … in der zerstörten Sakristei der Kathedrale Coventry errichtete … Die bittende Figur vor dem Kreuz ist das Symbol der Gruppe. Das Wandbild … von den Kirchen in Ostdeutschland bezahlt, wird, wie das Begegnungszentrum, am Palmsonntag, dem 15. April, eingeweiht …
Aus "Coventry Evening Telegraph", 31. März 1962

 

Aus dem Aufruf von Präses Dr. Lothar Kreyssig am 30.4.1958 zur "Aktion Versöhnungszeichen":

Wir haben vornehmlich darum noch immer keinen Frieden, weil zu wenig Versöhnung ist. Dreizehn Jahre sind erst in dumpfer Betäubung, dann in neuer angstvoller Selbstbehauptung vergangen. Es droht zu spät zu werden. Aber noch können wir … der Bitterkeit und dem Hass eine Kraft entgegen setzen … Des zum Zeichen bitten wir die Völker, die Gewalt von uns erlitten haben, dass sie uns erlauben, mit unseren Händen und unseren Mitteln in ihrem Land etwas Gutes zu tun, ein Dorf, eine Siedlung, eine Kirche, ein Krankenhaus oder was sie sonst Gemeinnütziges wollen, als Versöhnungszeichen zu errichten … Wir bitten heute, Deutsche die Deutschen, dass sich um Gottes willen Arbeitsfähige … bereit finden möchten, je auf ein Jahr nach Polen, Russland oder Israel zu gehen, um dort gemeinsam ein Friedenszeichen zu errichten

Dr. Lothar Kreyssig 1974 1962 – 1964 bauten Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Villeurbanne/Frankreich für eine jüdische Emigrantengemeinde die Synagoge der Brüderlichkeit.

Dr. Lothar Kreyssig 1974, der Initiator der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste. Im Jahr 1958 konnte Dr. Lothar Kreyssig, der bereits während der Naziherrschaft Zeichen des Protestes und der Umkehr gesetzt hatte, den Grundstein für die künftige Aktion Sühnezeichen legen. Die Aktion begann 1958 mit ihren Friedenszeichen im Schatten der Naziverbrechen, gleichzeitig zwischen den sich vertiefenden Ost-West-Konflikten.

1962 – 1964 bauten Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Villeurbanne/Frankreich für eine jüdische Emigrantengemeinde die Synagoge der Brüderlichkeit. Die Zeitung LÉCHO schrieb im Mai 1964:
Die feierliche Einweihung der Synagoge von Villeurbanne war ein geschichtlicher Augenblick von bewegender und hoher Symbolik. "Zum erstenmal" betonte Großrabbiner Kling, "ist eine Synagoge von Christen erbaut worden", und diese Christen beteten gemeinsam mit den Juden in dieser Feier, wo alle den Namen des gleichen und einen Gottes anrufen …

Zeichen

Zeichen ist ein Wort der Bescheidenheit: Wo ein Zeichen geschieht, da ist es nicht die Sache selbst, da geschieht viel weniger als eigentlich geschehen sollte. Die hier ein Kinderheim bauten, dort in einem Kibbuz arbeiteten und dies alles "Sühnezeichen" nannten, drückten mit diesem Namen aus, dass sie wohl wussten, wie wenig das sei, … Zeichen ist auch ein Wort der Verheißung.

Prof. Helmut Gollwitzer

Nach der Gründung der Aktion Sühnezeichen im Jahre 1958 war der Versöhnungsdienst vorerst nur in den westlichen Ländern durch Teilnehmer aus der Bundesrepublik Deutschland und Berlin-West möglich. Aufgrund der politischen Entwicklung beider deutscher Staaten kommt es nach 1961 zur Herausbildung von zwei voneinander unabhängigen Organisationen.

Aus gemeinsamer Wurzel und Verantwortung hervorgegangen, gibt es heute die Aktion Sühnezeichen in der DDR und die Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste in der Bundesrepublik Deutschland.

1986 konnte Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste in Zusammenarbeit mit dem polnischen Verband ehemaliger Widerstandskämpfer (ZboWiD) die internationale Jugend-Begegnungsstätte Auschwitz fertigstellen. Mit einem „Pilgerweg der Versöhnung“ beteiligte sich Aktion Sühnezeichen am Olof-Palme-Freidensmarsch 1987.

1986 konnte Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste in Zusammenarbeit mit dem polnischen Verband ehemaliger Widerstandskämpfer (ZboWiD) die internationale Jugend-Begegnungsstätte Auschwitz fertigstellen. Jugendgruppen aus aller Welt, die die Gedenkstätte besuchen, haben Gelegenheit, auf dem Hintergrund der schrecklichen Geschichte von Auschwitz sich den brennenden Fragen nach Verständigung und Versöhnung zu nähern.

Mit einem "Pilgerweg der Versöhnung" beteiligte sich Aktion Sühnezeichen am Olof-Palme-Freidensmarsch 1987. Pfarrer Werner Liedtke, Leiter der Aktion Sühnezeichen: "... Dieser Pilgerweg von Ravensbrück nach Sachsenhausen ist unsere Idee gewesen. Ursprünglich wollten wir unter uns bleiben. Dann hörten wir die Bereitschaft der anderen Seite, mit uns gemeinsam zu gehen … Solche gemeinsamen Wege und Begegnungen wie während des Olof-Palme-Marsches, können nur dazu dienen, diese Partnerschaft, den freien Dialog und offenen Umgang miteinander zu entwickeln ..."

Aus dem Aufruf von Pfingsten 1959:

wer eingesehen hat, dass Vergeltung und Aufrechnung von Schuld gegen Schuld eine endlose Kette des Unheils in der Geschichte zur Folge hat, dass einzig Versöhnung … die Kraft hat, den endlosen Reigen wechselseitiger Vernichtung zu unterbrechen, einen neuen Anfang verantwortlichen Lebens zu setzen, einem leidlichen Frieden in annehmbarer Gerechtigkeit Raum zu schaffen, der trete der "Aktion Sühnezeichen" bei

Lothar Kreyssig, Erich Müller-Gangloss, Kurt Scharf

Sühne und Versöhnung

sind gleichermaßen dynamische Begriffe. Sühne bezeichnet den Schritt nach vorn, der eine vorübergehende Verfehlung aufhebt. Versöhnung bedeutet: Wiederherstellung des Friedens. Die Aktion Sühnezeichen geht von der Möglichkeit aus, "in einer Welt vorläufige und fragmentarische, aber verheißungsvolle Vorzeichen der Friedensherrschaft Gottes … aufzurichten". In diesem Sinn kennzeichnet der Begriff "Sühnezeichen" den Versuch, Schuld in Zukunft zu verwandeln …

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