Tafel 3
Tafel vorlesen lassenDie "Deutschen Christen" treten an (Katalog 7)

Das Sonntagsblatt der Deutschen christen (Erste Ausgabe) Wahlkampf der Deutschen Christen

Das Sonntagsblatt der Deutschen Christen
(Erste Ausgabe)

Wahlkampf Juli 1933

Die "Deutschen Christen" waren der protestantische Ableger der NSDAP. Ihnen gehörten eine Reihe von Pfarrern und Gemeindemitgliedern an – zumeist Mitglieder der NSDAP – die das Ziel hatten, die evangelische Kirche für die Ideen des "Dritten Reiches" zu gewinnen. "Reichsleiter" der Deutschen Christen war der Berliner Pfarrer Joachim Hossenfelder, zugleich Kirchenfachberater der NSDAP (geboren 1899 in Cottbus, 1931 Pfarrer an der Christus-Kirche in Berlin, Stresemannstraße, 1933 Bischof von Brandenburg und Mitglied der Reichskirchenregierung, später wieder als Pfarrer tätig, zuletzt bis 1969 in Ratekau / Schleswig-Holstein, gestorben 1976).

Er war davon überzeugt, dass mit der Einrichtung des "Dritten Reiches" durch Adolf Hitler das deutsche Volk eine neue "Offenbarung" erlebe. Die Deutschen Christen wollten den §24 des Parteiprogramms der NSDAP in der Kirche verwirklichen:

"Wir fordern die Freiheit aller religiösen Bekenntnisse im Staat, soweit sie nicht dessen Bestand gefährden oder gegen das Sittlichkeits- oder Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen. Die Partei als solche vertritt den Standpunkt eines positiven Christentums, ohne sich konfessionell an ein bestimmtes Bekenntnis zu binden. Sie bekämpft den jüdisch-materialistischen Geist in und außer uns ..."

Einige Führer der Deutschen Christen Flugblatt der Dahlemer Ortsgruppe "Deutscher Christen" zur Kirchenwahl (November 1932)

Einige Führer der Deutschen Christen, (von rechts nach links: Joachim Hossenfelder, Ludwig Müller, August Jäger).

Flugblatt der Dahlemer Ortsgruppe "Deutscher Christen" zur Kirchenwahl (November 1932)

Mit den "Richtlinien der Liste Deutsche Christen" wird der christliche Glaube im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie umformuliert:

  • Entsprechend dem von den Nationalsozialisten überstrapazierten Begriff der "Volksgemeinschaft" kämpfen die Deutschen Christen für ein Kirchenvolk, eine Reichskirche mit einem kirchlichen Führer an der Spitze. Sie lehnen damit die demokratisch-parlamentarischen Ansätze ab.
  • Feindbilder der NS-Propaganda, die sich in den Richtlinien der Deutschen Christen finden: Liberalismus, Marxismus, Judentum, Pazifismus, Internationalismus / Ökumene.
  • Die "Rasse" wird zu einer gottgegebenen Schöpfungsordnung und damit die "Reinerhaltung der Rasse" zu einem christlichen Gebot, entsprechend der Aussage Hitlers in "Mein Kampf":
    "Indem ich mich des Judentums erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn."
  • Aus demselben Grund wurde der Auftrag der Christen zur Diakonie relativiert. Der Schutz des Volkes vor den "Untüchtigen und Minderwertigen" wurde für wichtiger gehalten als christliche Nächstenliebe.

Damit wurde in den "Richtlinien" bereits der Vernichtung der Juden und der Tötung von Behinderten "theologisch" der Weg bereitet.

Flugblatt zur Kirchenwahl im November 1932 in Dahlem

Stimmzettel für die Kirchenwahl in Dahlem (Nov. 1932)

Flugblatt zur Kirchenwahl im November 1932 in Dahlem von der "Evangelisch-unpolitischen Liste" - später "Evangelium und Kirche"

Stimmzettel für die Kirchenwahl in Dahlem (November 1932)

Kirchenwahlen November 1932

Am 13. November 1932 fanden in der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union Kirchenwahlen statt. Dabei traten die Deutschen Christen zum ersten Mal als Kirchenpartei bei Kirchenwahlen in Preußen auf. Sie betrieben ihren Wahlkampf in enger Zusammenarbeit mit den Ortsgruppen der NSDAP.

Auf Anhieb konnten die Deutschen Christen bei diesen Wahlen ein Drittel der Stimmen erringen.

Zur Tafel 2

Zur Startseite | Impressum | Sitemap

Zur Tafel 4