Tafel 27
Tafel vorlesen lassenGemeinde ohne Pastor - Pastor ohne Gemeinde (Katalog 29)

Nach dem Beginn des 2. Weltkrieges durch den Einmarsch deutscher Truppen in Polen wurden die meisten BK-Pfarrer und vor allem die illegalen Pastoren zum Kriegsdienst eingezogen. Während sich die deutsch-christlich gesonnenen Pfarrer ohne größere Probleme freistellen lassen konnten oder Militärpfarrer wurden, hatten die staatlich gelenkten Kirchenleitungen kein Interesse daran, das Personal der Bekennenden Kirche "unabkömmlich" stellen zu lassen.

Trotzdem konnte das Leben der bekennenden Gemeinden nicht völlig lahmgelegt werden. Oft übernahmen Gemeindeglieder die Aufgaben der Pfarrer.

Helmut Gollwitzer konnte bis September 1940 in Dahlem arbeiten. Am 3. September 1940 wurde er von der Gestapo wegen seiner "staatsabträglichen Tätigkeit" aus Berlin ausgewiesen und erhielt "Reichsredeverbot" zusammen mit Dietrich Bonhoeffer und anderen. Im Dezember 1940 wurde Gollwitzer dann zum Militärdienst eingezogen.

Helmut Gollwitzer 1940

Helmut Gollwitzer 1940

Die Bekenntnisgemeinde stand nun vor dem Problem, einen Vertreter für den Vertreter ihres verhafteten Pfarrers zu finden. Die Leitung der Bekenntnisgemeinde lag in den Händen des "Helferkreises". Zu diesem Kreis gehörten ca. 15 bis 20 Gemeindeglieder; sie beschlossen, Herbert Mochalski als Vertreter von Helmut Gollwitzer nach Dahlem zu holen.

H. Mochalski wurde allerdings zum Militär eingezogen, blieb aber glücklicherweise in Berlin stationiert, so dass er nach Feierabend in der Gemeinde arbeiten konnte. Er war vorher Pastor in Oberwalden, Schlesien. Von dort war er von der Gestapo ausgewiesen worden.

Die Jugendlichen der Dahlemer Bekenntnisgemeinde versuchten, ihre Jugendbibelkreise aufrechtzuerhalten, obwohl immer wieder Leiter und Mitglieder einberufen wurden. Neben den Bibelarbeiten waren wichtige Faktoren ihres Zusammenhalts gemeinsame Fahrten und die Aufführung von Laienschauspielen.

Dahlemer Jugendliche während eines Ausflugs mit ihrem Jugendleiter Herrmann Ehlers (2.vl.) (1904-1954), juristisches Mitglied des preußischen Bruderrats der BK, nach 1945 Oberkirchenrat in Oldenburg, von 1950-54 Präsident des Deutschen Bundestags (CDU). Professor Günther Dehn vertrat im Herbst 1940 Helmut Gollwitzer im Konfirmandenunterricht

Dahlemer Jugendliche während eines Ausflugs mit ihrem Jugendleiter Herrmann Ehlers (2.vl.) (1904-1954), juristisches Mitglied des preußischen Bruderrats der BK, nach 1945 Oberkirchenrat in Oldenburg, von 1950-54 Präsident des Deutschen Bundestags (CDU).

Professor Günther Dehn vertrat im Herbst 1940 Helmut Gollwitzer im Konfirmandenunterricht

Brief der Kirchenleitung der Bekennenden Kirche, unterzeichnet von Martin Alberts Ellen Angern, Sekretärin der Bekenntnisgemeinde, berichtet dem ausgewiesenen Gollwitzer, wie die Gemeinde versucht, ohne ihn auszukommen.

Brief der Kirchenleitung der Bekennenden Kirche, unterzeichnet von Martin Alberts, H. an Gollwitzer mit einem neuen Auftrag: Er soll eine Arbeit schreiben über das Problem "Katholisch-Evangelisch", da die BK beunruhigt ist über Gerüchte, dass Niemöller zur katholischen Kirche übertreten wolle.

Ellen Angern, Sekretärin der Bekenntnisgemeinde, berichtet dem ausgewiesenen Gollwitzer, wie die Gemeinde versucht, ohne ihn auszukommen.

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