Tafel 22
Tafel vorlesen lassenWer übernimmt Niemöllers Arbeit? (Katalog 25)

Solange Martin Niemöller in Untersuchungshaft saß, hatte Otto Dibelius den Konfirmandenunterricht in Dahlem übernommen. Dibelius war am 26. Juni 1933 vom Kirchenkommissar Jäger als Generalsuperintendent abgesetzt worden und hatte sich der Bekennenden Kirche angeschlossen. Zum Zeitpunkt der Konfirmation hatte er gerade Redeverbot, so dass Pfarrer Riethmüller vom Burkhardthaus die Predigt an seiner Stelle hielt. So gingen bei der ersten Konfirmation nach Niemöllers Verhaftung, bei der auch sein ältester Sohn konfirmiert wurde, drei Pfarrer dem Konfirmandenzug voraus: Otto Dibelius, Otto Riethmüller und Fritz Müller als Pfarrer der Gemeinde Dahlem.

Konfirmation 1938; (von links nach rechts): Fritz Müller, Otto Dibelius, Otto Riethmüller in Vertretung von Martin Niemöller. Helmut Gollwitzer mit Konfirmanden bei der Konfirmation 1940.

Konfirmation 1938; (von links nach rechts): Fritz Müller, Otto Dibelius, Otto Riethmüller in Vertretung von Martin Niemöller.

Helmut Gollwitzer mit Konfirmanden bei der Konfirmation 1940.

Als Niemöller am 1. März 1938 ins KZ Sachsenhausen gebracht worden war, stand die Gemeinde vor der Frage, wer seine Arbeit fortsetzen sollte. Zur Diskussion standen Walter Dreß, Dozent an der Kirchlichen Hochschule, und Helmut Gollwitzer, Beauftragter des preußischen Bruderrats zur Betreuung der Theologiestudenten. Der Gemeindekirchenrat entschied sich für Walter Dreß und erreichte seine offizielle Anstellung durch die Kirchenbehörde.

Die Bekenntnisgemeinde, die sich seit Juli 1937 allabendlich zum Fürbittgottesdienst sammelte, wollte aber diese Entscheidung nicht akzeptieren. Sie stellte Gollwitzer an und brachte sein Gehalt durch Spenden selbst auf. Niemöller selber wünschte Gollwitzer als seinen Vertreter.

Zwar gestattete der Gemeindekirchenrat Helmut Gollwitzer, die Konfirmanden Niemöllers bis zur Einsegnung weiterzuführen; aber da er nur von der Bekenntnisgemeinde, nicht von der Kirchengemeinde angestellt war, verweigerte ihm Pfarrer Röhricht, sonntags in einer der Dahlemer Kirchen zu predigen. Er betrachtete Gollwitzers Anwesenheit in Dahlem als überflüssig, da die Gemeinde ausreichend mit bekennnistreuen Pfarrern versorgt sei.

„Familienausflug“ auf dem Schlachtensee; (von links nach rechts): Jutta und Jan Niemöller, Helmut Gollwitzer, Frau Else Niemöller, Hertha Niemöller umrahmt von den Brüdern Saß Walter Dreß. Seit 1938 Pfarrer in der Dahlemer Gemeinde und Dozent an der Kirchlichen Hochschule in Berlin, verheiratet mit Susanne Dreß, geborene Bonhoeffer, gestorben 1979

"Familienausflug" auf dem Schlachtensee; (von links nach rechts): Jutta und Jan Niemöller, Helmut Gollwitzer, Frau Else Niemöller, Hertha Niemöller umrahmt von den Brüdern Saß

Walter Dreß. Seit 1938 Pfarrer in der Dahlemer Gemeinde und Dozent an der Kirchlichen Hochschule in Berlin, verheiratet mit Susanne Dreß, geborene Bonhoeffer, gestorben 1979

In der Auseinandersetzung um die Vertretung Niemöllers wurde deutlich, dass die Gemeinde in zwei Gruppen gespalten war, die sich verschiedenen Kirchenorganisationen zugehörig fühlten. Die Kirchengemeinde mit Pfarrer Röhricht und Pfarrer Dreß hatte sich zur Zusammenarbeit mit dem Konsistorium entschlossen, weil sie den Kirchenkampf als im Wesentlichen abgeschlossen betrachtete und deshalb eine besondere Organisation der Bekennenden Kirche ablehnte.

Die Bekenntnisgemeinde mit Pfarrer Fritz Müller und Helmut Gollwitzer lehnte nach wie vor jede Zusammenarbeit mit den staatlich gesteuerten Kirchenbehörden entsprechend den Beschlüssen der Dahlemer Synode von 1934 ab. Sie hielt sich zur bruderrätlichen Leitung der Bekennenden Kirche, den sogenannten "Dahlemiten".

Der Gemeindekirchenrat von Dahlem gestattete Helmut Gollwitzer, in Dahlem Konfirmandenunterricht zu halten. Gehaltsabrechnung von Gollwitzer. Auch das illegal bezogene Gehalt wurde versteuert.

Der Gemeindekirchenrat von Dahlem gestattete Helmut Gollwitzer, in Dahlem Konfirmandenunterricht zu halten.

Gehaltsabrechnung von Gollwitzer. Auch das illegal bezogene Gehalt wurde versteuert.

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