Tafel 21
Tafel vorlesen lassen"Macht geht vor Recht" (Katalog 24)

Nach dem Urteilsspruch des Landgerichts kam Martin Niemöller aber nicht frei, sondern wurde gleich am Ausgang des Gefängnisses von der Gestapo erneut verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg gebracht als "persönlicher Gefangener des Führers". Freunde hatten stundenlang vergeblich gewartet, die Familie hatte die Nachmittagsstunden bei Hans Asmussen und seiner Familie zugebracht, bis sich abends das Gerücht bestätigte, dass Niemöller in Sachsenhausen sei. Kurt Scharf berichtet davon:

"Als uns dies mitgeteilt wurde, machte ich mich sofort auf den Weg nach Oranienburg, um in Erfahrung zu bringen, ob Martin Niemöller etwa in das Berlin nächstgelegene Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert worden sei, das nur ein paar hundert Meter von meinem Pfarrhaus entfernt lag … Zugang zum Lager hatte ich trotz mehrfacher Anträge … an die Gestapo nicht erhalten. Ich nahm mir also eine Taxe, um mit ihr ins Lager zu fahren. Als wir am Lagertor ankamen, glaubte der wachhabende Posten, in dem Taxi säße ein SS-Offizier, wie das des öfteren geschah, wenn die SS-Chargen nachts von ihren Berlin-Ausflügen in ihre Quartiere … zurückkehrten. Er salutierte, riss den Schlagbaum hoch, und wir fuhren bis zur Baracke des Kommandanten.
Dort stieg ich aus und fragte nach dem Kommandanten. Mich empfing sein Adjutant, der sich außerordentlich interessiert an seinem prominenten Häftling zeigte
."

Häftlinge beim Appell im Konzentrationslager Dachau Der Appellplatz des Konzentrationslagers Sachsenhausen.

Häftlinge beim Appell im Konzentrationslager Dachau

Der Appellplatz des Konzentrationslagers Sachsenhausen.

Aus dem Brief des Dahlemer Gemeindekirchenrates an Hitler mit der Bitte um Freilassung ihres Pfarrers Martin Niemöller; unterzeichnet von den beiden Pfarrern Röhricht und Müller und den GKR-Mitgliedern Bartning, Evler, Krenzlin und Saenger.

Aus dem Brief des Dahlemer Gemeindekirchenrates an Hitler mit der Bitte um Freilassung ihres Pfarrers Martin Niemöller; unterzeichnet von den beiden Pfarrern Röhricht und Müller und den GKR-Mitgliedern Bartning, Evler, Krenzlin und Saenger.

Kurt Scharf konnte Niemöller an diesem Abend zwar nicht mehr sprechen, hatte aber wenigstens die Gewissheit, dass er in Sachsenhausen war. Wenige Tage später erhielt er eine Sprecherlaubnis, während Frau Niemöller ihren Mann erst später - regelmäßig zwei mal im Monat - besuchen durfte.

Martin Niemöller war von 1938 bis 1941 im KZ Sachsenhausen in Einzelhaft. Von 1936 bis 1945 wurden mehr als 200 000 Häftlinge dort eingeliefert. Kommunisten, Sozialdemokraten, Juden, später auch sowjetische Kriegsgefangene. Über 100 000 wurden ermordet. 1941 wurde Niemöller ins KZ Dachau gebracht, wo er bis 1945 im "Pfaffenblock" blieb.

Während seiner gesamten Haftzeit blieb Martin Niemöller Pfarrer der Gemeinde Dahlem, obwohl das Konsistorium versucht hatte, ihm seine Rechte als Dahlemer Pfarrer zu nehmen. Die Versetzung in den Wartestand erwies sich als nicht durchführbar wegen der anhaltenden Proteste aus der Bekennenden Kirche.

Wie vielen anderen, die für die Freilassung Niemöllers eine Eingabe an Hitler machten, wurde auch dem Dahlemer Gemeindekirchenrat ohne Begründung mitgeteilt, dass der „Führer“ die Freilassung Niemöllers ablehne. Das Konsistorium von Berlin-Brandenburg, Niemöllers vorgesetzte Behörde, versetzte ihn im Juni 1939 in den Wartestand.

Wie vielen anderen, die für die Freilassung Niemöllers eine Eingabe an Hitler machten, wurde auch dem Dahlemer Gemeindekirchenrat ohne Begründung mitgeteilt, dass der "Führer" die Freilassung Niemöllers ablehne.

Das Konsistorium von Berlin-Brandenburg, Niemöllers vorgesetzte Behörde, versetzte ihn im Juni 1939 in den Wartestand.

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